Meine Schweiz

Kuhlotto, Erst-August-Feier im Kurpark
Kuhlotto im Kurpark, Bild von 2014

«Schauen Sie sich um: Ist es nicht wunderschön hier? Von Ferne weht etwas Blasmusik herüber, der Duft von Bratwurst und Rösti. Dabei könnten Sie glatt übersehen, was mich im Moment beschäftigt:


Meine Schweiz ist kleinkariert

Nichts als Nummern, fein säuberlich dokumentiert und überwacht. Und alle tun, als sei alles in Ordnung. Schauen Sie, wie viel Freude die Kinder beim Spielen haben. Da sind sogar Ausländer dabei! Sehen Sie, wie schön die „Fangis“ spielen?


Oje, der kleine Abdul weint ja.

Ist wohl versehentlich gegen die Grenze gerannt … Der Zaun ist ja nur fein, bestens in die Landschaft integriert. Nur: Wenn man damit in Kontakt kommt, dann zwackt das ganz schön. Aber hey: Grenzen sind wichtig! Die muss man respektieren. Sonst käme ja jeder hierher und wollte auch mitmachen. Das gäbe ein furchtbares Durcheinander. Das wollen wir doch nicht, oder? Wobei, ganz ehrlich:


Manchmal ist mir meine Schweiz zu eng.

Dann stelle ich mir vor, wie viel grüner das Gras ausserhalb wäre … und dass es da vielleicht weder Kästchen gäbe noch Zäune. Aber dann sehe ich hier meinen Futtertrog, kriege einen aufmunternden Klaps und denke: Ist eigentlich ganz schön hier. Und schlage mir den Bauch voll. Und für eine Weile ist alles gut. Nur:

 

Ich werde beobachtet – von allen Seiten

Einige tarnen ihre Blicke als Aufmunterung; andere tun so, als seien sie nicht interessiert – aber im Grunde genommen warten alle nur darauf, dass ich Mist baue. Die schliessen sogar Wetten darauf ab!  Könnte einen echt fertig machen … Oh,  hören Sie das?

 

„Applaus für Doris Leuthard!“

Gleich spricht Frau Bundesrätin zu uns. Und wissen Sie was? Der geht es nicht besser: Sie und Ihre Kollegen werden genauso mit Argusaugen beobachtet. Die einen sagen, die Regierung baut Mist, die anderen beharren darauf, das sei Dünger, und die dritten sagen, „die tun doch gar nichts, da oben!“ Sie sagt. es sei eine Gratwanderung …

 

„Mama, wieso macht die nichts?“

Oh! Die hat mich gemeint … Die weiss doch gar nicht, was ich heute schon alles geleistet habe – oder was ich noch leisten muss. Nur, weil ich hier scheinbar regungslos stehe, glauben die, ich sei untätig. Dabei rumort es gewaltig in mir: Sie glauben ja gar nicht, wie mir das Gerede über Schweizer und Ausländer, Grenzen und Solidarität, Respekt und Meinungsfreiheit auf den Magen schlägt. Auf jeden einzelnen!

 

Ups! Sorry…  Nun habe ich doch Mist gebaut!

 

„Ich hab’s ja gesagt! Ich hab’s ja gesagt! Das ist MEINE Nummer!“ – Na also! Gibt es immerhin einen glücklichen Gewinner im Kuhlotto heute Abend …»

 

Diese etwas andere Erst-August-Rede habe ich der Kuh vom Kuh-Lotto im Kurpark ins Maul gelegt .

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Kommentare: 1
  • #1

    dunkelangst (Sonntag, 02 August 2015 21:10)

    "Schauen Sie, wie viel Freude die Kinder beim Spielen haben. Da sind sogar Ausländer dabei! Sehen Sie, wie schön die „Fangis“ spielen? Oje, der kleine Abdul weint ja.
    Ist wohl versehentlich gegen die Grenze gerannt … Der Zaun ist ja nur fein, bestens in die Landschaft integriert. Nur: Wenn man damit in Kontakt kommt, dann zwackt das ganz schön. Aber hey: Grenzen sind wichtig! Die muss man respektieren. Sonst käme ja jeder hierher und wollte auch mitmachen. "

    Dazu kann man einfach nur schreiben: Schön geschrieben, Lovey!! :)

    Übrigens, auch wenn es nicht in die Jahreszeit gepasst hat, ich fand das Käsefondue gestern echt der Hammer!! Freue mich auf den 27/28. August in Bad Zurzach - da ist dann wieder was los!!

    Viele Grüsse!